Politische Bildung wird Teil des DADA-Programms

Im November 2020 hat ZAN den Kurs „Demokratie und Partizipation in Deutschland“ in das DADA-Programm aufgenommen.

Dieser Grundlagenkurs bot den Teilnehmerinnen eine vielfältige und breit gefächerte Einführung in politische Bildung. Die Kurse wurden von den Teilnehmerinnen mit großem Interesse und viel Engagement begrüßt. Neben der Vermittlung von Grundlagen war es auch Ziel des Kurses den Teilnehmerinnen als Empowermentstrategie einen Einblick in ihre demokratischen Rechte und ihre demokratischen Mitgestaltungsmöglichkeiten zu bieten. Die Kurse wurden im Tandem unterrichtet: Eine Kollegin vermittelte die Inhalte auf deutsch und eine Kollegin übersetzte die Inhalte auf Persisch oder Pashto. So konnte auf mehreren Sprachen diskutieren werden.

Die großen Fragen: Was ist überhaupt Politik? Und wie funktioniert Demokratie?

„Wer bestimmt mein Leben?“ war die einleitende Frage des Grundkurses „Was ist Politik? Was ist Demokratie?“. Viele Teilnehmerinnen waren sich sicher, dass sie selber über ihr Leben bestimmen, einige verwiesen auch auf Gott bzw. ihre Religion oder auf die Familie, die einen maßgeblichen Einfluss auf Lebensentscheidungen hat. Nach einiger Diskussion wurde vielen deutlich: Auch Staaten und somit deren Politik haben einen großen Einfluss auf das eigene Leben. Hierzu gehören schon so banale Aspekte wie Regeln im Straßenverkehr, aber auch beispielsweise der Lehrplan für Kinder in der Schule. Politik beginnt im Alltag und sie wird von Gruppen gemacht- das zeigen auch Aushandlungsprozesse im Haushalt, die wir gemeinsam besprachen. Als Teil der Freiheiten einer demokratischen Grundordnung in Deutschland wurd das Grundgesetz besprochen. Viele der Grundrechte wurden von den Teilnehmerinnen abfotografiert und gemeinsam diskutiert. Im Kurs „Wie funktioniert Demokratie in Deutschland?“ besprachen wir die deutsche Geschichte, das föderale System, die Funktionsweise des deutschen Parlaments samt Regierung und Bundespräsident und gingen gemeinsame die im Bundestag vertretenen Parteien durch. Die deutsche Teilung war von großem Interesse für einige Teilnehmerinnen, die sich für den Hintergrund der Teilung interessierten. Zwar lassen sich die deutsche Teilung nach dem zweiten Weltkrieg und die Geschichte Afghanistans nicht vergleichen, trotzdem war es überraschend für die Teilnehmerinnen, dass auch hier die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion mitwirkende Kräfte waren – zwei Mächte, die auch einen großen Einfluss auf die afghanische Geschichte genommen haben. Bei der Besprechung des Konzepts von Parteien, welches grundlegend als „Gruppe von Menschen, die sich für gemeinsame politische Ziele und Interessen einsetzt“ definiert wurde, wies eine Teilnehmerin zurecht darauf hin, dass diese Kerndefinition keinen großen Unterschied zwischen einer demokratischen Partei und der Taliban macht. So konnte gemeinsam besprochen werden, wo die Unterschiede zwischen demokratischem und nicht-demokratischem Kampf für politische Ziele liegen.

Die konkreten Fragen: Wie kann ich überhaupt mitmachen? Wie stehe ich für meine Rechte ein?

Der Kurs „Wie kann ich mitmachen?“ war besonders praktisch orientiert. Es wurde besprochen, warum Teilhabe in Demokratien wichtig ist und verschiedene Möglichkeiten des Mitmachens wurden aufgezeigt. Neben der Erklärung von Vereinen und die Besprechung des Wahlrechts von Menschen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben, wurden die Teilnehmerinnen über ihr Wahlrecht für die Wahl der kommunalen Ausländervertretung, welche am 14. März 2021 stattfindet, informiert.  Die abschließende Sitzung war dem Thema Gleichberechtigung und Feminismus gewidmet. Gemeinsam besprachen wir Artikel 3 des Grundgesetzes und dessen Implikationen. Was bedeutet das Gleichheitsrecht? Und warum ist es besonders in einer Demokratie so wichtig? Einige Teilnehmerinnen zeigten sich besonders überrascht, dass Diskriminierung aufgrund der Religionszugehörigkeit in Deutschland verboten ist- einige berichteten von eigenen Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Hijabs. Auch das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern und Feminismus wurde gemeinsam diskutiert. Einige Teilnehmerinnen wiesen darauf hin, dass die Situation für Frauen in Afghanistan eine schwerere ist, als in Deutschland und zeigten sich überrascht, dass der Kampf um Gleichberechtigung auch in Deutschland weiter andauert.

Die Teilnehmerinnen waren sowohl vom Alter (19 bis 70) als auch von ihrer Aufenthaltsdauer in Deutschland und ihrem Bildungsstand sehr divers, sodass die besondere Herausforderung darin lag, in den Kursen eine gute Balance zwischen Grundlagenwissen und herausfordernden Diskussionen zu halten. Für viele Teilnehmerinnen war dieses Kursprogramm zu politischer Bildung ein wichtiger Grundstein, um das Zusammenleben und Möglichkeiten der politischen Teilhabe in Deutschland zu erschließen.

Lehrkraft des Fachs und Autorin dieses Artikels ist Friederike Alm. Sie ist Politikwissenschaftlerin und promoviert an der Goethe-Universität in Frankfurt zu Migrationspolitiken im internationalen Vergleich.

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