Zur aktuellen Lage in Afghanistan

Die Taliban lehnen jeglichen westlichen Einfluss ab, den sie als „nicht-islamisch“ definieren. In den letzten 20 Jahren gab es auch während des Militäreinsatzes weiterhin viele Defizite, gerade was die Infrastruktur, die Bildung und die Gleichstellung von Frauen und Mädchen angeht. Vor allem in ländlichen Gebieten konnte nur schwer mit Traditionen gebrochen werden. Wie aus einem UN-Bericht von 2018 hervorgeht, sind rund dreiviertel aller Frauen Analphabetinnen. 

Trotzdem konnte gleichzeitig der Aufbau von Universitäten, der Wirtschaft sowie Kunst und Kultur gefördert werden, sodass sich das Leben der jungen Menschen in Afghanistan stark verändert hat.

Bereits jetzt sind Bilder auf den sozialen Netzwerken im Umlauf, die zeigen, wie alle Abbilder von Frauen in der Öffentlichkeit entfernt werden. Die Fernsehsender mussten zudem ihren Normalbetrieb einstellen, reine Musikkanäle laufen schon nicht mehr. Die verzweifelten Videos und Bilder aus dem Flughafen Kabuls sprechen Bände.

Die Menschen wollen nur eins – Hauptsache weg von den Taliban. Viele Frauenrechtler*innen und Menschenrechtler*innen fürchten um ihr Leben. Bereits in den letzten Monaten gab es zahlreiche Anschläge auf Journalist*innen, Kunst- und Kulturschaffende. Dass dies nur der traurige Anfang war, ist mit der Machtübernahme der Taliban nun allen endgültig bewusst geworden.  

Besonders Frauen sind die Leidtragenden. Unter dem Regime der Taliban durften Mädchen nicht zur Schule, von der Universität ganz zu schweigen. Um das Haus zu verlassen, mussten sie vollverschleiert sein und auch dann war ihnen dies nur in männlicher Begleitung möglich. Bei einem Regelbruch gab es öffentliche und teils brutale Bestrafungen. Frauen werden so praktisch unter Hausarrest gestellt und vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. 

Viele junge Mädchen fürchten sich darüber hinaus über die Zunahme von altertümlichen Bräuchen, wie einer Zwangsheirat. Es ist nicht ersichtlich, dass die Taliban ihre Einstellung diesbezüglich geändert haben. Die Fortschritte, die sich die neue Generation von jungen Mädchen und Frauen erkämpft haben, werden zunichte gemacht. Gerade jetzt sollte genau auf diese Umstände aufmerksam gemacht werden und eine Regierung, die die Frauenrechte so beschneidet, sollte nicht akzeptiert werden.  

Wir versuchen auch aus der Ferne die Frauen in Afghanistan zu unterstützen. Momentan liegt jedoch unser Fokus auf Frauen, die in Frankfurt vor Ort sind. Über ihre alltäglichen Probleme hinaus, kommen nun verstärkt Sorgen um ihre Verwandten und Freunde in Afghanistan hinzu. Gerade in dieser schwierigen Zeit, stehen wir beratend zur Seite zu stehen.

Durch unser Bildungsangebot vernetzen wir die Frauen untereinander und sorgen so für neue Kontakte unter den Teilnehmerinnen. So können wir als Verein neben der weiterhin wichtigen Aufgabe der Sprachvermittlung auch für ein Gefühl von Zusammenhalt und einen gegenseitigen Austausch sorgen.

Aufgrund der aktuellen Lage müssen wir davon ausgehen, dass bald auch weitere Frauen nach Deutschland flüchten werden und uns entsprechend darauf vorbereiten. Im Zuge der Flüchtlingskrise von 2015 professionalisierte sich unser Verein, da es eine erhöhte Nachfrage nach Alphabetisierungskursen für afghanische Frauen gab. Heute sind wir Spezialistinnen für die Alphabetisierung von afghanischen Frauen.

Zwar ist noch ungewiss, was genau passieren wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Unser Ziel ist und bleibt, dass wir den Frauen in Afghanistan sowie hier in Frankfurt eine Stütze sind.  

ZAN e.V. fordert eine rasche und unbürokratische Aufnahme von afghanischen Ortskräften in Deutschland

In Summe haben rund 850 der derzeit und ehemals für deutsche Truppen in Afghanistan tätigen Ortskräfte einen Antrag auf Umsiedlung nach Deutschland beantragt. Mit dem Abzug der deutschen Truppen, der bis Ende Juli abgeschlossen sein soll, wird sich die ohnehin schon prekäre Sicherheitslage für diesen Personenkreis sowie für deren Angehörige weiter verschlechtern. Die Taliban haben in den vergangenen Jahrzehnten keine Frage offen gelassen. Aus deren Sicht sind Ortskräfte Kollaborateure.

Stefanie Then, die 2. Vorsitzende des afghanischen Frauenvereins ZAN, mahnt aufgrund der künftig deutlich erhöhten Gefahrenlage an: „Es ist eine Frage der moralischen Verpflichtung der Bundesrepublik, die Ortskräfte so rasch und unbürokratisch wie möglich in Deutschland in Sicherheit zu bringen. Keine Ortskraft, die für deutsche Truppen tätig war oder ist, sollte schutzlos in Afghanistan zurückgelassen werden und im schlimmsten Fall mit dem Leben für diese Tätigkeit zahlen müssen.“

Die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte zwar im April schon angekündigt, dass die Gefahrenlage für Ortskräfte in Afghanistan aufgrund der geänderten Situation erneut bewertet werden muss. Dieser Ankündigung sind auch trotz jüngster Beteuerungen, dass eine „tiefe Verpflichtung“ empfunden wird, bislang keine Taten gefolgt. Der vollständige Truppenabzug rückt indes jeden Tag näher. Die sich in den letzten Tagen – trotz rund Eid al-Fitr verabredeter Waffenruhe – steigende Zahl von Anschlägen in Afghanistan geben Anlass zu großer Sorge. „Aus unserer Sicht sollten darum die Ortskräfte parallel zum Truppenabzug bis Ende Juli in Deutschland in Sicherheit gebracht werden. Hier ist höchste Eile geboten.“, fordert aus diesem Grund Nadia Qani, die 1. Vorsitzende des Vereins.

Pressemitteilung vom 18.05.2021

Pressekontakt:
Stefanie Then
069-59796130

Politische Bildung wird Teil des DADA-Programms

Im November 2020 hat ZAN den Kurs „Demokratie und Partizipation in Deutschland“ in das DADA-Programm aufgenommen.

Dieser Grundlagenkurs bot den Teilnehmerinnen eine vielfältige und breit gefächerte Einführung in politische Bildung. Die Kurse wurden von den Teilnehmerinnen mit großem Interesse und viel Engagement begrüßt. Neben der Vermittlung von Grundlagen war es auch Ziel des Kurses den Teilnehmerinnen als Empowermentstrategie einen Einblick in ihre demokratischen Rechte und ihre demokratischen Mitgestaltungsmöglichkeiten zu bieten. Die Kurse wurden im Tandem unterrichtet: Eine Kollegin vermittelte die Inhalte auf deutsch und eine Kollegin übersetzte die Inhalte auf Persisch oder Pashto. So konnte auf mehreren Sprachen diskutieren werden.

Die großen Fragen: Was ist überhaupt Politik? Und wie funktioniert Demokratie?

„Wer bestimmt mein Leben?“ war die einleitende Frage des Grundkurses „Was ist Politik? Was ist Demokratie?“. Viele Teilnehmerinnen waren sich sicher, dass sie selber über ihr Leben bestimmen, einige verwiesen auch auf Gott bzw. ihre Religion oder auf die Familie, die einen maßgeblichen Einfluss auf Lebensentscheidungen hat. Nach einiger Diskussion wurde vielen deutlich: Auch Staaten und somit deren Politik haben einen großen Einfluss auf das eigene Leben. Hierzu gehören schon so banale Aspekte wie Regeln im Straßenverkehr, aber auch beispielsweise der Lehrplan für Kinder in der Schule. Politik beginnt im Alltag und sie wird von Gruppen gemacht- das zeigen auch Aushandlungsprozesse im Haushalt, die wir gemeinsam besprachen. Als Teil der Freiheiten einer demokratischen Grundordnung in Deutschland wurd das Grundgesetz besprochen. Viele der Grundrechte wurden von den Teilnehmerinnen abfotografiert und gemeinsam diskutiert. Im Kurs „Wie funktioniert Demokratie in Deutschland?“ besprachen wir die deutsche Geschichte, das föderale System, die Funktionsweise des deutschen Parlaments samt Regierung und Bundespräsident und gingen gemeinsame die im Bundestag vertretenen Parteien durch. Die deutsche Teilung war von großem Interesse für einige Teilnehmerinnen, die sich für den Hintergrund der Teilung interessierten. Zwar lassen sich die deutsche Teilung nach dem zweiten Weltkrieg und die Geschichte Afghanistans nicht vergleichen, trotzdem war es überraschend für die Teilnehmerinnen, dass auch hier die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion mitwirkende Kräfte waren – zwei Mächte, die auch einen großen Einfluss auf die afghanische Geschichte genommen haben. Bei der Besprechung des Konzepts von Parteien, welches grundlegend als „Gruppe von Menschen, die sich für gemeinsame politische Ziele und Interessen einsetzt“ definiert wurde, wies eine Teilnehmerin zurecht darauf hin, dass diese Kerndefinition keinen großen Unterschied zwischen einer demokratischen Partei und der Taliban macht. So konnte gemeinsam besprochen werden, wo die Unterschiede zwischen demokratischem und nicht-demokratischem Kampf für politische Ziele liegen.

Die konkreten Fragen: Wie kann ich überhaupt mitmachen? Wie stehe ich für meine Rechte ein?

Der Kurs „Wie kann ich mitmachen?“ war besonders praktisch orientiert. Es wurde besprochen, warum Teilhabe in Demokratien wichtig ist und verschiedene Möglichkeiten des Mitmachens wurden aufgezeigt. Neben der Erklärung von Vereinen und die Besprechung des Wahlrechts von Menschen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben, wurden die Teilnehmerinnen über ihr Wahlrecht für die Wahl der kommunalen Ausländervertretung, welche am 14. März 2021 stattfindet, informiert.  Die abschließende Sitzung war dem Thema Gleichberechtigung und Feminismus gewidmet. Gemeinsam besprachen wir Artikel 3 des Grundgesetzes und dessen Implikationen. Was bedeutet das Gleichheitsrecht? Und warum ist es besonders in einer Demokratie so wichtig? Einige Teilnehmerinnen zeigten sich besonders überrascht, dass Diskriminierung aufgrund der Religionszugehörigkeit in Deutschland verboten ist- einige berichteten von eigenen Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Hijabs. Auch das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern und Feminismus wurde gemeinsam diskutiert. Einige Teilnehmerinnen wiesen darauf hin, dass die Situation für Frauen in Afghanistan eine schwerere ist, als in Deutschland und zeigten sich überrascht, dass der Kampf um Gleichberechtigung auch in Deutschland weiter andauert.

Die Teilnehmerinnen waren sowohl vom Alter (19 bis 70) als auch von ihrer Aufenthaltsdauer in Deutschland und ihrem Bildungsstand sehr divers, sodass die besondere Herausforderung darin lag, in den Kursen eine gute Balance zwischen Grundlagenwissen und herausfordernden Diskussionen zu halten. Für viele Teilnehmerinnen war dieses Kursprogramm zu politischer Bildung ein wichtiger Grundstein, um das Zusammenleben und Möglichkeiten der politischen Teilhabe in Deutschland zu erschließen.

Lehrkraft des Fachs und Autorin dieses Artikels ist Friederike Alm. Sie ist Politikwissenschaftlerin und promoviert an der Goethe-Universität in Frankfurt zu Migrationspolitiken im internationalen Vergleich.

DADA digital – Wie wir mit der Corona-Krise umgehen

Unterricht für geflüchtete Frauen aus Afghanistan in Zeiten von Corona

Die Corona-Krise hat auch weite Teile unseres Präsenzangebots beeinflusst. Da wir nicht möchten, dass der Lernprozess der Teilnehmerinnen unterbrochen wird, haben wir uns neue Unterrichtsformen überlegt. Diese Situation erfordert Kreativität, Improvisationstalent und besonderes Einfühlungsvermögen der Dozentinnen und nicht zuletzt zusätzlichen Zeitaufwand, weil völlig neues Unterrichtsmaterial konzipiert und hergestellt werden muss. Die besondere Herausforderung liegt darin, die Teilnehmerinnen unter diesen Umständen zum Lernen und Durchhalten zu motivieren. Das Lernen von Zuhause stellt auch die Teilnehmerinnen vor eine Multitasking-Aufgabe: Einige der Teilnehmerinnen haben Kinder, die nun zuhause betreut werden müssen und auch die Arbeit mit digitalen Materialien ist für einige ungewohnt. Manche Inhalte können allerdings gut über Facebook und Whatsapp kommuniziert werden – hierbei helfen die Kinder ihren Müttern häufig auch.

Wir haben seit der Aussetzung des Präsenzunterrichts einige Methoden erprobt: Die Teilnehmerinnen bearbeiten Seiten im Buch oder Arbeitsblätter zuhause, fotografieren sie mit ihrem Smartphone und schicken sie an ihre Dozentin, die sie korrigiert und auf dem gleichen Weg zurückschickt; zusätzlich erstellen die Dozentinnen Lösungsblätter.  Die Dozentinnen nehmen bestimmte Übungen (zur Aussprache, Sätze zum Nachsprechen usw.) als Audio auf, und die Teilnehmerinnen schicken die nachgesprochenen Audios zurück. Die Dozentinnen erstellen Videos (z.B. zur Erklärung oder Bearbeitung von Hausaufgaben). Die Dozentinnen führen die Teilnehmerinnen in das VHS-Lernportal ein (ein bundesweites Angebot der Volkshochschulen für den digitalen Unterricht). Die Dozentinnen erstellen Power-Point-Präsentationen (z.B. zum Ablauf der Registrierung im Lernportal der VHS), gegebenenfalls von einer Kollegin übersetzt. Die Teilnehmerinnen und die Dozentinnen führen Live-Video- oder Audio-Chats durch, um mündliche Kommunikation, Aussprache usw. zu üben oder auch, wenn die schriftliche Kommunikation nicht ausreicht (direktes Feedback möglich). Die Dozentinnen kontaktieren die Teilnehmerinnen telefonisch, um sie zur Teilnahme zu motivieren – manchmal rufen auch die Teilnehmerinnen an, wenn sie Fragen haben. Die Arbeitsblätter werden aus dem Büro per Post an die Teilnehmerinnen geschickt (weil der Bildschirm auf dem Smartphone für vieles zu klein ist).    

Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Motivation, technische Probleme etc.) funktioniert der digitale Unterricht reibungsloser, weil Teilnehmerinnen und Dozentinnen mehr Übung bekommen. Selbstverständlich sind die eingesetzten Methoden langfristig kein vollständiger Ersatz für den Präsenzunterricht. Jedoch wurde durch die Erprobung der verschiedenen Methoden deutlich, dass künftig der Einsatz von Leihgeräten wie Tablets für den Unterricht eine sinnvolle Ergänzung ist und die Teilnehmerinnen dadurch größeres Selbstvertrauen im Umgang mit digitalem Unterricht entwickeln. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei eine begleitende Schulung an den Geräten, die in den bestehenden EDV-Unterricht integriert werden kann.

Roshani – Mit Licht und Erleuchtung ins neue Jahr

Am Sonntag, dem 28. Januar 2018, feierte ZAN e.V. mit dem Fest Roshani im Mousonturm den Start der gleichnamigen Beratungsstelle des Vereins.

Nach der Begrüßung durch die Gründerin des Vereins, Nadia Qani, und den Intendanten und Geschäftsführer des Mousonturm, Matthias Pees, folgte eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags vom Vorabend in Kabul. Ein Attentäter hatte einen mit Sprengstoff beladenen Krankenwagen in eine der am besten gesicherten Straßen der Stadt gefahren. Dort löste er eine Explosion aus. Die Folge sind mehr als 100 Tote und 235 Verletzte.

Trotz der traurigen Ereignisse vom Vorabend gelang es den Gästen ein schönes Fest zu feiern. Einen wesentlichen Beitrag lieferte dabei Hamnawa, das Ensemble, das aus der Musik-Traumatherapie des ZAN-Vereins entstanden ist. Die Gäste im Mousonturm freuten sich über die technisch perfekten Interpretationen persischen Liedguts gespielt auf traditionellen Instrumenten.

Im weiteren Verlauf des Spätnachmittags stellte Sonia Ahmadi (Sanam Anbarin) die neue Koordinierungsberatungsstelle des Vereins vor. Seit Januar 2018 haben aus Afghanistan stammende und in Frankfurt lebende Frauen in der Geschäftsstelle von ZAN eine Anlaufstelle rund um alle Fragen, die in der neuen Heimat entstehen können. Neben den Alltagsthemen zu Schule, Kinderbetreuung und Gesundheit spielt dabei nicht zuletzt die berufliche Integration eine bedeutende Rolle. Mit Sonia Ahmadi (Sanam Anbarin) wurde eine fachkundige Muttersprachlerin für die Koordinierungsberatungsstelle gefunden, die neben den relevanten Fachkenntnissen die eigene Erfahrung bei der gelungene Integration in Deutschland einbringen kann.

Die Informationen über die neue Beratungsstelle stieß auf großes Interesse, genauso wie die über die DADA-Integrationsprogramme des Vereins. Dort wird neben den Alphabetisierungs- und Deutschkursen auf A1-Niveau ein reichhaltiges Rahmenprogramm in Zusammenarbeit mit jumpp und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt mit dem Ziel der sozialen und beruflichen Integration geboten.

Die insgesamt rund 1.000 Gäste des Festes legten teilweise sehr weite Wege zurück, um gemeinsam mit dem Verein zu feiern. Darunter auch Hagie Sarwarie, der eigens aus Stuttgart angereist war und sich überaus begeistert zeigte: „Ich war sehr begeistert, was der ZAN e.V. alles für die traumatisierten und hilfebedürftigen Frauen in Frankfurt und Umgebung leistet. Die Organisation, Moderation und Location, sowie die kostenlosen kulinarischen Leckereien für über 1.000 Gäste und die musikalische Stimmung haben super gepasst. Solche Institutionen sollten mehr Unterstützung durch den Staat und private Sponsoren bekommen.“

Roshani fand im Rahmen des Festivals Displacements des Mousonturm statt. ZAN e.V. dankt dem Team des Mousonturm herzlich für die Gastfreundschaft und die hervorragende Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung des Festes.

Frankfurter Neue Presse: Der Verein Zan hilft geflüchteten Frauen

Mit zehn Frauen aus Afghanistan, deren Asylanträge bisher noch nicht anerkannt wurden, hat der Verein Zan ein Pilotprojekt gestartet. Die Frauen sollen lernen, sich in typischen Alltagssituationen zurechtzufinden.

VON HERMANN WYGODA

(Frankfurt) “Wir wollen den geflüchteten Frauen aus Afghanistan die Chance eröffnen, dass sie sich auch während der Zeit, in der sie und ihre Familien um Asyl ersuchen, hier in Frankfurt in den sechs Monaten des Projektes orientieren und eingewöhnen können. Der Grundkurs soll ihnen später auf dem Arbeitsmarkt und bei der Integration helfen”, erläutert Nadia Qani, Vorsitzende des Vereins “Zan” (Hilfsorganisation zur Förderung der Rechte afghanischer Frauen).

Zan ist das persische Wort für Frau. Den Verein gründete Qani im Jahr 2001, zwei Jahr nach ihrer Einbürgerung. Sie kam vor rund 30 Jahren nach Deutschland und stand vor dem Nichts – seit mehr als 15 Jahren leitet sie einen von ihr gegründeten kultursensiblen Pflegedienst. Auch ein Buch über ihr Schicksal hat sie geschrieben, zudem hält sie Vorträge. Die Frauen, die sich bei “Zan” angemeldet haben, lernen Deutsch, Schneidern und Grundkenntnisse in elektronischer Datenverarbeitung (EDV).

Sie besuchen Informationsveranstaltungen und lernen Frankfurt bei Ausflügen kennen. Alle zehn Teilnehmerinnen müssen über 25 Jahre alt sein. Alle dürfen keine Integrationskurse besuchen, weil ihr Flüchtlingsstatus noch nicht bestätigt wurde. Der Verein “Zan” will ihnen während der Wartezeit erste Kenntnisse über Land und Leute sowie Institutionen vermitteln.

Das vom Verein “Berami, berufliche Integration” und der Stadt Frankfurt finanziell unterstützte Projekt bietet neben Sprachkursen auch Informationen über gesunde Ernährung und Krankheiten an. Bei Besuchen in Kliniken und Arztpraxen lernen sie das deutsche Gesundheitssystem kennen. ,,Wir wollen auch Einblicke über die Arbeit der Behörden und Institutionen Frankfurts sowie in Kultureinrichtungen wie Museen und Galerien anbieten“, ergänzt Projektleiterin Anette Rein, ehemals Leiterin des Museums der Weltkulturen.

Zum Programm gehören auch Ausflüge in die Frankfurter Geschäftswelt. Und an zwei Nachmittagen der Woche können die Frauen wählen, ob sie Grundkenntnisse im Schneidern, Kochen, Tanz oder Musik erlernen möchten.

Nach Angaben des Frankfurter Sozialdezernates sind bis März vergangenen Jahres mehr als tausend Flüchtlinge aus Afghanistan nach Frankfurt gekommen, darunter rund 200 Frauen. Wie Nadia Qani erläuterte, hätten diese Frauen nach dem langen Krieg, der in ihrem Heimatland geführt wurde und noch geführt wird, sehr unterschiedliche Ausbildungen
gemacht.

Gemäß der afghanischen Traditionen sieht man meist die Männer im deutschen Straßenbild, die auch die Beratungszentren aufsuchen. Da die Frauen vornehmlich für den Haushalt zuständig sind, werden die meisten Angebote der Förderprogramme von Männern aus Afghanistan besucht.
Diese Situation müsse sich ändern, fordert Qani. Sie will mit dem Projekt den Afghaninnen die Chance geben, eine erste Orientierung zu erlangen.

»Zan«, Hilfsorganisation zur Förderung der Rechte afghanischer Frauen, Eckenheimer Landstraße 52, Telefonnummer (069) 59 22 30.

Artikel vom 17.01.2017, 03:30 Uhr
© 2017 Frankfurter Neue Presse

Link zum Artikel: http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Der-Verein-Zan-hilft-gefluechteten-Frauen;art675,2426320

Deutschland und Afghanistan: Politik

ZAN hatte anlässlich Nouroz und im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus am 24.3.2019 zur Podiumsdiskussion nach Frankfurt eingeladen.

Nach Grußworten unserer Vorsitzenden Nadia Qani und Ulli Nissen, MdB folgte die Podiumsdiskussion mit Tabea Rößner, der stellvertretenden Vorsitzenden der südostasiatischen Parlamentariergruppe im Bundestag sowie Laura Winter, die bei der GIZ Frauenprojekte in Afghanistan betreut. Die Moderation der Veranstaltung hat unsere Geschäftsstellenleiterin Stefanie Then übernommen, die Simultanübersetzung unser Vorstandsmitglied Sonia Ahmadi.

Inhalt der Diskussion waren die Beziehungen des Bundestags zum afghanischen Parlament sowie die Inhalte der Entwicklungsarbeit in Afghanistan. Im Anschluss folgte eine rege Diskussion mit den Gästen der Veranstaltung.