DADA digital

Unterricht für geflüchtete Frauen aus Afghanistan in Zeiten von Corona

Ausgangslage

Im Projekt DADA – Aufbruch! des ZAN-Vereins werden geflüchtete Frauen aus Afghanistan auf vielfältige Weise qualifiziert: sie erhalten Sprachunterricht, Unterricht in EDV und Textilem Gestalten und nehmen an einem Kulturprogramm teil. 

Der Unterricht findet ausschließlich als Präsenzunterricht statt. Die Frauen lernen in kleinen, möglichst homogenen Gruppen entsprechend ihrem Lernniveau – viele sind auch in ihrer Muttersprache (Dari oder Pashto) nicht alphabetisiert, einige haben eine relativ kurze Schulbildung, und einzelne haben ganz oder teilweise studiert. 

Methoden

Da ein Arbeitsleben in Deutschland ohne Computerkenntnisse nicht denkbar ist, erhalten die Frauen EDV-Unterricht, in dem sie erst einmal mit dem Computer vertraut gemacht werden. Auf der anderen Seite haben viele Frauen gute bis sehr gute Fähigkeiten im Bereich des Textilen Gestaltens; deshalb erhalten sie weiterführenden Unterricht, der sie dazu befähigen soll, in entsprechenden Berufen zu arbeiten. Das Kulturprogramm schließlich soll sie mit den kulturellen Einrichtungen und Möglichkeiten der Stadt Frankfurt vertraut machen [Link zu Vahidehs Text zum KP]. 

Die Schließung von Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen machte es erforderlich, neue Formen des Unterrichtens zu entwickeln. In jedem Fall sollte der Lernprozess nicht gestoppt werden, zumal nicht absehbar ist, wann der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden kann. 

Diese Situation erfordert Kreativität, Improvisationstalent und besonderes Einfühlungsvermögen bei den Dozentinnen und nicht zuletzt zusätzlichen Zeitaufwand, weil völlig neues Unterrichtsmaterial konzipiert und hergestellt werden muss. Zudem ist es eine besondere Herausforderung, die Schülerinnen unter diesen Umständen zum Lernen und Durchhalten zu motivieren, vor allem diejenigen, die lernungewohnt sind. 

Auf Seiten der Schülerinnen, die in der Regel Kinder haben, bestehen zum einen die Probleme, die auch andere Eltern haben, die im Home Office arbeiten: die Kinder sind ständig zuhause und fordern Beschäftigung und Unterstützung. Zum anderen ist die Technik-Affinität bei fast allen nicht gegeben. Ausnahmen bilden hier lediglich die soziale Medien wie Facebook und WhatsApp, in denen vieles über Fotos kommuniziert wird, so dass digitaler Unterricht schon als Methode eine Herausforderung ist. Hier und bei den Unterrichtsinhalten im Deutschunterricht können allerdings in manchen Fällen die Kinder ihre Mütter unterstützen. 

Umsetzung

Unter dieser Prämisse wurden verschiedene Methoden und Ansätze seit der Schließung der Einrichtung erprobt. Hier einige Beispiele: 

  1. Die Schülerinnen bearbeiten Seiten im Buch oder Arbeitsblätter zuhause, fotografieren sie mit ihrem Smartphone und schicken sie an ihre Dozentin, die sie korrigiert und auf dem gleichen Weg zurückschickt; zusätzlich erstellen die Dozentinnen Lösungsblätter. 
  2. Die Dozentinnen nehmen bestimmte Übungen (zur Aussprache, Sätze zum Nachsprechen usw.) als Audio auf, und die Schülerinnen schicken die nachgesprochenen Audios zurück.  
  3. Die Dozentinnen erstellen Videos (z.B. zur Erklärung oder Bearbeitung von Hausaufgaben). 
  4. Die Dozentinnen führen die Schülerinnen in das VHS-Lernportal ein (ein bundesweites Angebot der Volkshochschulen für den digitalen Unterricht). 
  5. Die Dozentinnen erstellen Power-Point-Präsentationen (z.B. zum Ablauf der Registrierung im Lernportal der VHS), gegebenenfalls von einer Kollegin übersetzt. 
  6. Die Schülerinnen und die Dozentinnen führen Live-Video- oder Audio-Chats durch, um mündliche Kommunikation, Aussprache usw. zu üben oder auch, wenn die schriftliche Kommunikation nicht ausreicht (direktes Feedback möglich). 
  7. Die Dozentinnen kontaktieren die Schülerinnen telefonisch, um sie zur Teilnahme zu motivieren – manchmal rufen auch die Schülerinnen an, wenn sie Fragen haben. 
  8. Die Arbeitsblätter werden aus dem Büro per Post an die Schülerinnen geschickt (weil der Bildschirm auf dem Smartphone für vieles zu klein ist). 

Ausblick

Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Motivation, technische Probleme etc.) funktioniert der digitale Unterricht besser, weil die Frauen mehr Übung bekommen und ihnen klar geworden ist, dass er eine große Chance für sie ist. Selbstverständlich sind die eingesetzten Methoden mittel- und längerfristig kein vollständiger Ersatz für den Präsenzunterricht.
Jedoch wurde durch die Erprobung der verschiedenen Methoden deutlich, dass künftig der Einsatz von Leihgeräten für den Unterricht eine sinnvolle Ergänzung ist und die Teilnehmerinnen dadurch größeres Selbstvertrauen im Umgang mit digitalen Endgeräten entwickeln. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei eine begleitende Schulung an den Geräten, die in den bestehenden EDV-Unterricht integriert werden kann.

Heimtextil 2020

Zum Start in das neue Jahr haben wir mit den Teilnehmerinnen unseres Bildungsprogramms DADA – Aufbruch! die Messe Heimtextil besucht. Dort haben wir uns vor allem über die aktuellen Trends informiert.

Wir konnten wertvolle Anregungen für das Fach Textiles Gestalten mitnehmen. Diese sollen in die Produktgestaltung einfließen.

Im neuen Jahr wollen wir unsere beim Weihnachtsbasar des VereinsRing Nordend gestarteten Aktivitäten intensivieren. Ziel ist es, auch im Sommer auf Stadteilmärkten unsere textilen Handarbeiten anzubieten.

Roshani – Mit Licht und Erleuchtung 
ins neue Jahr

Am Sonntag, dem 28. Januar 2018, feierte ZAN e.V. mit dem Fest Roshani im Mousonturm den Start der gleichnamigen Beratungsstelle des Vereins.

Nach der Begrüßung durch die Gründerin des Vereins, Nadia Qani, und den Intendanten und Geschäftsführer des Mousonturm, Matthias Pees, folgte eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags vom Vorabend in Kabul. Ein Attentäter hatte einen mit Sprengstoff beladenen Krankenwagen in eine der am besten gesicherten Straßen der Stadt gefahren. Dort löste er eine Explosion aus. Die Folge sind mehr als 100 Tote und 235 Verletzte.

Trotz der traurigen Ereignisse vom Vorabend gelang es den Gästen ein schönes Fest zu feiern. Einen wesentlichen Beitrag lieferte dabei Hamnawa, das Ensemble, das aus der Musik-Traumatherapie des ZAN-Vereins entstanden ist. Die Gäste im Mousonturm freuten sich über die technisch perfekten Interpretationen persischen Liedguts gespielt auf traditionellen Instrumenten.

Im weiteren Verlauf des Spätnachmittags stellte Sonia Ahmadi (Sanam Anbarin) die neue Koordinierungsberatungsstelle des Vereins vor. Seit Januar 2018 haben aus Afghanistan stammende und in Frankfurt lebende Frauen in der Geschäftsstelle von ZAN eine Anlaufstelle rund um alle Fragen, die in der neuen Heimat entstehen können. Neben den Alltagsthemen zu Schule, Kinderbetreuung und Gesundheit spielt dabei nicht zuletzt die berufliche Integration eine bedeutende Rolle. Mit Sonia Ahmadi (Sanam Anbarin) wurde eine fachkundige Muttersprachlerin für die Koordinierungsberatungsstelle gefunden, die neben den relevanten Fachkenntnissen die eigene Erfahrung bei der gelungene Integration in Deutschland einbringen kann.

Die Informationen über die neue Beratungsstelle stieß auf großes Interesse, genauso wie die über die DADA-Integrationsprogramme des Vereins. Dort wird neben den Alphabetisierungs- und Deutschkursen auf A1-Niveau ein reichhaltiges Rahmenprogramm in Zusammenarbeit mit jumpp und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt mit dem Ziel der sozialen und beruflichen Integration geboten.

Die insgesamt rund 1.000 Gäste des Festes legten teilweise sehr weite Wege zurück, um gemeinsam mit dem Verein zu feiern. Darunter auch Hagie Sarwarie, der eigens aus Stuttgart angereist war und sich überaus begeistert zeigte: „Ich war sehr begeistert, was der ZAN e.V. alles für die traumatisierten und hilfebedürftigen Frauen in Frankfurt und Umgebung leistet. Die Organisation, Moderation und Location, sowie die kostenlosen kulinarischen Leckereien für über 1.000 Gäste und die musikalische Stimmung haben super gepasst. Solche Institutionen sollten mehr Unterstützung durch den Staat und private Sponsoren bekommen.“

Roshani fand im Rahmen des Festivals Displacements des Mousonturm statt. ZAN e.V. dankt dem Team des Mousonturm herzlich für die Gastfreundschaft und die hervorragende Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung des Festes.

Frankfurter Neue Presse: Der Verein Zan hilft geflüchteten Frauen

Mit zehn Frauen aus Afghanistan, deren Asylanträge bisher noch nicht anerkannt wurden, hat der Verein Zan ein Pilotprojekt gestartet. Die Frauen sollen lernen, sich in typischen Alltagssituationen zurechtzufinden.

VON HERMANN WYGODA

(Frankfurt) “Wir wollen den geflüchteten Frauen aus Afghanistan die Chance eröffnen, dass sie sich auch während der Zeit, in der sie und ihre Familien um Asyl ersuchen, hier in Frankfurt in den sechs Monaten des Projektes orientieren und eingewöhnen können. Der Grundkurs soll ihnen später auf dem Arbeitsmarkt und bei der Integration helfen”, erläutert Nadia Qani, Vorsitzende des Vereins “Zan” (Hilfsorganisation zur Förderung der Rechte afghanischer Frauen).

Zan ist das persische Wort für Frau. Den Verein gründete Qani im Jahr 2001, zwei Jahr nach ihrer Einbürgerung. Sie kam vor rund 30 Jahren nach Deutschland und stand vor dem Nichts – seit mehr als 15 Jahren leitet sie einen von ihr gegründeten kultursensiblen Pflegedienst. Auch ein Buch über ihr Schicksal hat sie geschrieben, zudem hält sie Vorträge. Die Frauen, die sich bei “Zan” angemeldet haben, lernen Deutsch, Schneidern und Grundkenntnisse in elektronischer Datenverarbeitung (EDV).

Sie besuchen Informationsveranstaltungen und lernen Frankfurt bei Ausflügen kennen. Alle zehn Teilnehmerinnen müssen über 25 Jahre alt sein. Alle dürfen keine Integrationskurse besuchen, weil ihr Flüchtlingsstatus noch nicht bestätigt wurde. Der Verein “Zan” will ihnen während der Wartezeit erste Kenntnisse über Land und Leute sowie Institutionen vermitteln.

Das vom Verein “Berami, berufliche Integration” und der Stadt Frankfurt finanziell unterstützte Projekt bietet neben Sprachkursen auch Informationen über gesunde Ernährung und Krankheiten an. Bei Besuchen in Kliniken und Arztpraxen lernen sie das deutsche Gesundheitssystem kennen. ,,Wir wollen auch Einblicke über die Arbeit der Behörden und Institutionen Frankfurts sowie in Kultureinrichtungen wie Museen und Galerien anbieten“, ergänzt Projektleiterin Anette Rein, ehemals Leiterin des Museums der Weltkulturen.

Zum Programm gehören auch Ausflüge in die Frankfurter Geschäftswelt. Und an zwei Nachmittagen der Woche können die Frauen wählen, ob sie Grundkenntnisse im Schneidern, Kochen, Tanz oder Musik erlernen möchten.

Nach Angaben des Frankfurter Sozialdezernates sind bis März vergangenen Jahres mehr als tausend Flüchtlinge aus Afghanistan nach Frankfurt gekommen, darunter rund 200 Frauen. Wie Nadia Qani erläuterte, hätten diese Frauen nach dem langen Krieg, der in ihrem Heimatland geführt wurde und noch geführt wird, sehr unterschiedliche Ausbildungen
gemacht.

Gemäß der afghanischen Traditionen sieht man meist die Männer im deutschen Straßenbild, die auch die Beratungszentren aufsuchen. Da die Frauen vornehmlich für den Haushalt zuständig sind, werden die meisten Angebote der Förderprogramme von Männern aus Afghanistan besucht.
Diese Situation müsse sich ändern, fordert Qani. Sie will mit dem Projekt den Afghaninnen die Chance geben, eine erste Orientierung zu erlangen.

»Zan«, Hilfsorganisation zur Förderung der Rechte afghanischer Frauen, Eckenheimer Landstraße 52, Telefonnummer (069) 59 22 30.

Artikel vom 17.01.2017, 03:30 Uhr
© 2017 Frankfurter Neue Presse

Link zum Artikel: http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Der-Verein-Zan-hilft-gefluechteten-Frauen;art675,2426320

Deutschland und Afghanistan: Politik

ZAN hatte anlässlich Nouroz und im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus am 24.3.2019 zur Podiumsdiskussion nach Frankfurt eingeladen.

Nach Grußworten unserer Vorsitzenden Nadia Qani und Ulli Nissen, MdB folgte die Podiumsdiskussion mit Tabea Rößner, der stellvertretenden Vorsitzenden der südostasiatischen Parlamentariergruppe im Bundestag sowie Laura Winter, die bei der GIZ Frauenprojekte in Afghanistan betreut. Die Moderation der Veranstaltung hat unsere Geschäftsstellenleiterin Stefanie Then übernommen, die Simultanübersetzung unser Vorstandsmitglied Sonia Ahmadi.

Inhalt der Diskussion waren die Beziehungen des Bundestags zum afghanischen Parlament sowie die Inhalte der Entwicklungsarbeit in Afghanistan. Im Anschluss folgte eine rege Diskussion mit den Gästen der Veranstaltung.